"klimafit" Workshop 05.06.2018 in Hamburg

Am 05. Juni 2018 fand in Hamburg der eintägige Stakeholder-Workshop „Kommunen werden klimafit“ statt. Eingeladen waren unterschiedliche Akteure aus Bereichen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung, Vertreter*innen von Bundes-, der Landesebene und aus Kommunen. Ziel des Workshops war es, über die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zukünftigen Gestaltung des klimafit-VHS-Kurses gemeinsam zu diskutieren. Darüber hinaus galt es, ein stärker handlungsorientiertes Kurskonzept und weitere Ansätze zur Aktivierung der Bevölkerung zu mehr Akzeptanz für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen zu erarbeiten.

Den vollständigen Bericht können Sie hier als PDF herunterladen.

In Rahmen der Zielesetzung des Workshops wurden vier Thementische entwickelt, welche eine Diskussionsgrundlage für die Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Kurses bildeten. Die vier Thementische umfassten folgende Schwerpunkte:

  1. die Durchführung und Qualität des Kurses
  2. die Teilnehmergewinnung und Qualifizierung zu Multiplikatoren,
  3. die Planungssicherheit sowie die Finanzierungsmöglichkeiten zur Verstetigung und
  4.  die Netzwerkbildung und die Handlungsaktivierung.

Anhand gewählter stereotypischer Beispielfiguren („Personas“) wurden die vier Themenfelder diskutiert. Die Personas wurden auf Basis der Erfahrungen der schon durchgeführten „klimafit“- Kurse in Südwestdeutschland entwickelt.

Die Personas stellen einen Querschnitt der Teilnehmenden des „klimafit“-Kurses dar und helfen bei der Weiterentwicklung des Kurses: Indem sich die Teilnehmenden in die verschiedenen Figuren hineinversetzten, war es ihnen möglich, die Themenschwerpunkte wie Kursleitung und Kursverstetigung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu bearbeiten.

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse mit Hilfe der Beispielfiguren im Plenum. Dabei dienten auch Requisiten zur Unterstützung der Teilnehmenden. Der gesamte Workshop wurde thematisch in Form mehrerer visueller Protokolle („graphical recordings“)  festgehalten.

Das Programm des Workshops können Sie hier herunterladen.

Teil 2 des Workshops

Thementisch 1 – Durchführung und Qualität des Kurses   

Cluster 1 – Kursleiter

Welches Profil sollten die Kursleiter haben?
Laut Ergebnis des Workshops sollten Kursleiter*innen über eine gewisse Fachkompetenz und über Erfahrungen in der Erwachsenenbildung verfügen. Die Workshop-Teilnehmenden erwähnten zudem, dass als Kursleiter*innen neben Wissenschaftler*innen auch „Nicht-Wissenschaftler*innen“ eingesetzt werden können. Zusätzlich ist ein lokaler Bezug von Bedeutung, um das Ziel einer Vernetzung der Kursteilnehmenden zu erreichen.
Das vom ‚klimafit“-Projektteam erarbeitete Anforderungsprofil für klimafit-Kursleiter kann hier eingesehen werden.

Wie können Kursleiter gewonnen werden? Aus welchen Zielgruppen können sie rekrutiert werden?
Lehrer*innen, selbstständige Wissenschaftler*innen, Biologen oder Geographen könnten als Kursleiter*innen eingesetzt werden. Dabei könnte die Suche nach Kursleiter*innen auch über einen regionalen Pool der VHS laufen. Anlaufstellen sind ebenfalls lokale Umweltnetzwerke.
 


Welche Ressourcen brauchen die Kursleiter?
Aus den Erfahrungen der vorangegangen Kurse im letzten Jahr in Südwestdeutschland gibt es die Erfahrung, dass für die Durchführung eines klimafit-Kurses etwa 40 Stunden Arbeitszeit eingeplant werden müssen.
Zudem ist die Idee eines „Train the Trainer Workshops“ zur Weiterbildung der Kursleiter*innen erläutert worden. Dieser Workshop wird vom Projektteam für alle neuen Kursleiter*innen durchgeführt werden.

Cluster 2 – Kurskonzept

Wie werden folgende Elemente beurteilt: die regionalspezifische Anpassung, die Inhalte, Format etc., die Aufteilung von global, regional und lokal?

Diskutiert wurde, ob der klimafit-Kurs als Bildungsurlaub anerkannt werden könnte. Dazu passte auch die Idee, das Kurskonzept eventuell durch Exkursionen oder individuelle Gastbeiträge von Wissenschaftler*innen zu ergänzen. Angeregt wurde auch, dass die wissenschaftlichen Beiträge nicht „zu wissenschaftlich“ sind.
Inwieweit diese Möglichkeiten umgesetzt werden können, muss jedoch vom Projektteam geklärt werden.

Thementisch 2 – Teilnehmergewinnung und Qualifizierung zu Multiplikatoren

Cluster 1 – Teilnehmermotivation

Welche Gründe gibt es, am Kurs „klimafit“ teilzunehmen?

In dieser Gruppe wurde die Motivation, etwas bewirken zu können und die Möglichkeit selbst aktiv zu werden, anhand der Personas diskutiert. Beides sind wichtige Gründe zur Teilnahme am klimafit-Kurs. Des Weiteren wird die Möglichkeit „Verantwortung zu übernehmen“ und „unter Gleichgesinnten zu sein“ als wichtiger Teilnahmegrund angegeben.
Darüber hinaus sind aber auch spezifischere Motivationsgründe für die Kursteilnahme identi-fiziert worden, welche aus der Persönlichkeit, den Erfahrungen und aufgrund von Interessen der Zielgruppen entstehen und die sich nicht ohne weiteres verallgemeinern lassen.
Folgende Motivationsgründe wurden u.a. aus Sicht der Personas genannt: 

  •  die Erschließung neuer Technologien und technischer Möglichkeiten und die damit verbundene Marktexploration durch neue Geschäftszweige als Zukunftsperspektive,
  • die Chance, neues Wissen zu erlangen und vermitteln zu können - auch zugunsten der eigenen geistigen Flexibilität,
  • das Treffen von Gleichgesinnten, die aus einem emotionalen, idealistischen oder aus einem politisch-strategischem Ansatz heraus zur Zukunftssicherung beitragen wollen,
  • die Möglichkeit, sich mit Mitstreitern zu vernetzen,
  • die Niedrigschwelligkeit des Kurszugangs und die Diversität der Kursangebote, die ein offenes Format darstellen,
  • die intergenerationelle Vermittlung und der generationsübergreifende Austausch,
  • der soziale Ansatz, etwas in der Gemeinde aus bürgerschaftlichem Engagement bewegen zu können - ohne Umwege über die „Verwaltungsmühle“,
  • das Erweitern von Soft Skills und die Möglichkeit, mit einem anerkannten Zertifikat abzuschließen.

Cluster 2 – Teilnehmergewinnung

Wen wollen wir erreichen und über welche Informationskanäle erreichen wir diese Personen? Wer ist unsere Zielgruppe? Gibt es weitere Zielgruppen?

Um interessierte TN zu gewinnen, wurde diskutiert, auch bewährte kommunale Kanäle zu bedienen, mit welchen eine breite Masse erreicht werden kann. Diese sind beispielsweise das „Neubürgerheft“, welches Informationen über die Stadt oder Kommune für neu zugezogene Bürger*innen, sowie die Verbreitung innerhalb der Kommune enthält.

Zudem können Bürger*innen erreicht werden, indem Kursinformationen in Bezirksämtern oder Stadtteilbüros ausgelegt werden.
Außerdem könnten Regionalverbände die Kurse bewerben.
Weiterhin wurde betont, dass im Allgemeinen eine aktive Ansprache zur Teilnehmergewin-nung von Bedeutung ist und dass ein zusätzliches Angebot von alternativen Kursorten oder Exkursionen ein Plus für die „klimafit“ Kurse darstellen würde.
Folgende Kanäle könnten bei der Bewerbung des Kurses ebenfalls einbezogen werden:

  • Berufsbezogene Internetseiten und Fachzeitschriften
  • lokale Aushänge in Fachgeschäften oder Vereinen (z. B. Baumärkte oder Kleingar-tenverein
  • lokale Zeitschriften, wie Wochenblätter oder Kirchenzeitungen
  • persönliche Netzwerke und Social Media
  • interne Verteiler von lokalen und universitären Initiativen oder Stammtischen (z. B. Fachschaften, Green Offices)
  • Präsenz bei Aktionstagen und Messen
  • Bewerbung als Bildungsurlaub
  • Bewerbung über eine Kooperation mit dem regional-individuellen „Klimasparbuch“ des oekom Verlags

Thementisch 3 – Planungssicherheit, Finanzierungsmöglichkeiten zur Verstetigung

Cluster 1 – Verstetigung

Was brauchen wir von Partnern, wie VHS, Kommune und Bund, um den Kurs die nächsten vier Jahre bundesweit durchführen zu können?
Ein wichtiges Projektziel in der bundesweiten Durchführung in den nächsten Jahren ist die Verstetigung des Kurses und Festigung der Unterstützungsbereitschaft von Partnern des Kurses.
Dabei wurde unter anderem festgehalten, dass für eine Verstetigung Folgeaktivitäten des Kurses von Bedeutung sind und Zertifikate ebenfalls einen Anreiz bilden können.
Eine aktive Bewerbung des Kurses und des Abschlusszertifikates werden in diesem Prozesse eine tragende Rolle spielen.

Cluster 2 – Finanzierung

Welche Mittel braucht klimafit für einen bundesweiten Roll-Out?

Welche Mittel können durch die Beteiligung der Kommune, des Landes, des Bundes (über nationale Förderprogramme; z.B. NKI), der Teilnehmer*innen (z.B. Bereitschaft für eine Kursgebühr), weiterer Geldgeber, wie z.B. regionale Stiftungen, der VHS (z.B. über ihre gesellschaftliche Aufgabe, über Bereitstellung der VHS-Cloud) gegebenenfalls bereitgestellt werden?


Für die Finanzierung des Kurses wird eine institutionelle Förderung als beste Möglichkeit für eine langfristige Zusammenarbeit mit den VHS angesehen.

Thementisch 4 – Netzwerkbildung, Handlungsaktivierung 

Cluster 1 – Aktivierung von Teilnehmern

Wie können wir die Teilnehmenden befähigen, aktiv zu werden? Wie können wir sie mit lokalen Aktivitäten vernetzen? Welche Formate sind dafür zu entwickeln?
Im Fokus der Diskussion stand, wieviel Information notwendig ist, um Menschen zum Han-deln zu bewegen. Einigkeit bestand darin, dass Wissen allein nicht ausreicht, um Menschen zum Handeln zu aktivieren. Hierfür sind beispielsweise konkrete Anknüpfungspunkte nötig, um Erlerntes auch anwenden und neue Handlungsweisen üben zu können. Konsens bestand darüber hinaus, dass das Erleben von Selbstwirksamkeit erfolgversprechend sei, um Handeln zu stimulieren, z. B., indem eigene Projekte umgesetzt werden.
Dies kann im Kurs dadurch unterstützt werden, dass engagierte Personen (und Projektver-treter*innen) vor Ort in den Kurs eingeladen werden. Ein wichtiger Baustein für den Kurs, der noch nicht sehr gut eingebunden scheint, ist das Erlernen des „Einmischens“ in Richtung formativer Prozesse kommunaler Entscheidungsprozesse.
Angerissen wurde auch, welche weiteren Formate bzw. „Übersetzungen“ des Themas es geben kann, um das Thema attraktiv zu gestalten. So wurden z.B. regionale Wettbewerbe als gutes Mittel erachtet und eine Übertragung des Themas Klimawandel auf die konkreten Berührungspunkte im Alltag der Menschen (z. B. Thema Gesundheit und Hitzeperioden, Gebäudeschutz und Starkregen).

Cluster 2 – Vernetzung der Kursstädte

Wie kann die Vernetzung angeregt werden?
Die Vernetzung der Kursstädte soll eine verstärkte Vernetzung der Multiplikatoren erreichen. Dafür wurden zwei konkrete Netzwerke resp. Initiativen vorgestellt. Zum einen das Netzwerk 21 mit regelmäßig stattfindenden Kongressen sowie der Bereitstellung von Informationen, wie z. B. einer interaktiven Karte zu regionalen Aktivitäten rund um das Thema Nachhaltigkeit.1  Eine weitere Initiative wurde aus Eckernförde vorgestellt: Mok Wi ist noch in der Entwicklung und baut auf die bereits existierende Austauschplattform „We Change“ auf. 2
Geplant ist die Darstellung von lokalen Projekten mit der Möglichkeit, sich direkt einzubringen. Auch die Nutzung und damit weitere Verbreitung der Inhalte über die VHS-Cloud wurde als gute Möglichkeit eingeschätzt, die „klimafit“-Themen in die Breite zu tragen und somit die Inhalte des Kurses dort verfügbar zu machen.

1(https://www.netzwerk21kongress.de/netzwerk-nachhaltigkeit/lokale-initiativen/)
2(https://wechange.de/projects/)

Cluster 3 – Follow-up

Was benötigen wir, um die Kursteilnehmenden als Multiplikator*innen aktiv zu halten?

Final wurde das „Follow-up“ des Kurses besprochen. Ein wichtiges Ergebnis dieses The-menblocks war, dass die weitere Begleitung durch einen „Kümmerer“ (oder mehrere) nach Beendigung des Kurses sinnvoll wäre. So könnten regelmäßige Treffen der Kursteilnehmer über die regionalen Partner organisiert werden, um Erfahrungen auszutauschen, Ideen weiter zu geben und sich insgesamt als „Peer Group“ zu verstetigen. 

Dabei scheint die Einbindung der regionalen Vereine und Initiativen (siehe Cluster 1) sinnvoll. Eine wichtige Rolle können dabei gemeinsame Aktivitäten spielen, um die Gruppe zusammenzuschweißen, gemeinsame Erfahrungen zu ermöglichen und Selbstwirksamkeit zu erleben.