klimafit Projektbeschreibung

Hintergrund

Klimawandel ist ein globales Problem und stellt eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts für die Weltgemeinschaft dar. Aber auch in Deutschland, sind die sich regional ausprägenden Folgen des Klimawandels bereits heute deutlich zu spüren. Für viele Menschen ist deshalb der Klimawandel im Sinne einer Daseinsvorsorge, sei es beruflich oder privat, relevant. In immer mehr Tätigkeitsfeldern (z.B. Land- und Forstwirtschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen, Bauen und Wohnen, Energie und Wasserwirtschaft, Bildung) wird fundiertes Wissen und Kompetenz zum Klimawandel und dessen Folgen zunehmend wichtiger, um aktiv an der Gestaltung der eigenen Zukunft teilhaben zu können.

Der Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft und der damit verbundene Aufbau einer Wissensgesellschaft ist dafür eine entscheidende Grundlage. Dabei spielt das Zusammenführen und Verbinden von Klimaforschung, regionalen Akteuren und Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle, um eine gesellschaftliche Transformation im Kontext der globalen Herausforderung des Klimawandels zu befördern. Dabei gilt es, den „globalen Klimawandel“, der sich regional ganz unterschiedlich ausprägt, so zu vermitteln, dass die Notwendigkeit zum eigenen Handeln erkannt, die persönliche Motivation erhöht und das eigene Engagement und das Verständnis für den Klimaschutz aktiviert wird.

Die gesellschaftliche Antworten auf den Klimawandel wie Klimaschutz, Klimaanpassung und die Energiewende werden in vielen Kommunen und Gemeinden immer noch nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgt und betrieben. Bei vielen Akteuren, eingeschlossen Entscheidungsträgern, fehlt es oft an grundlegendem Wissen über Zusammenhänge zwischen Klimawandel, den zu erwartenden Klimafolgen, dem Klimaschutz, und dem Wissen, das notwendig ist, um im Sinne einer breitenwirksamen Gemeinschaftsaufgabe aktiv zu werden.

Projektidee

Da nur ein breiter Handlungskonsens in der Bevölkerung eine grundlegende Transformation hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft gewährleisten kann, ist es wichtig, zivilgesellschaftliche Akteure aktiv in den gesellschaftlichen Transformationsprozess einzubinden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, sind innovative Lernangebote im Sinne einer „Bildung zur Teilhabe“ (Transformationsbildung). Mit den im Rahmen dieses Projektes dialogisch entwickelten Fort- und Weiterbildungsangebot wird Akteuren z.B. des kommunalen Klimaschutzes, betroffenen Berufsgruppen wie auch der interessierten Bevölkerung die Möglichkeit eröffnet, sich auf den aktuellen Stand zum globalen und regionalen Klimawandel und die Folgen für Politik und Gesellschaft zu bringen, sich konkret über Klimaanpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen in ihrem konkreten Umfeld zu informieren und sich zu vernetzen.

Das Projekt verknüpft dabei die gesamte Wissenskette von der globalen bis zur regionalen Ebene und nutzt hierzu innovative Lernformate, die neben der klassischen Präsenzveranstaltung, digitale Elemente für die Wissensvermittlung kombinieren. So entsteht ein interaktives Kursformat („Blended Learning“), das sowohl z.B. die führenden Klimawissenschaftler*innen Deutschlands zu Wort kommen lässt und in den Präsenzveranstaltungen den konkreten Bezug zum eigenen Lebensumfeld herstellt. Die Kursteilnehmenden lernen somit die regionalspezifischen Herausforderungen in einem größeren Kontext zu betrachten und erhalten das erforderliche Wissen und die nötige Handlungskompetenz, um die Veränderungen in ihrer Region einzuordnen und sich für eine klimaverträgliche Gesellschaft zu engagieren. Dieses Format wird im Rahmen des Projektes zur Fort- und Weiterbildung in der Erwachsenenbildung bundesweit und zukunftsweisend an Volkshochschulen eingesetzt und schließt damit eine bisher vorhandene Lücke.

Das im Rahmen des Projektes entwickelte Kursangebot soll in drei nationalen Schlüsselregionen etabliert werden:

·         Küstenregionen mit regionalspezifische Themen wie z.B. Küsten- und Hochwasserschutz,

·         die Mitte Deutschlands mit regionalspezifischen Themen wie z.B. Dürreperioden, Hochwasser, Extremwetterereignisse und

·         der Süden Deutschlands mit regionalspezifischen Themen wie z.B. Hitze, Extremwetterereignisse, Alpenvorraum

Ziel

Das Projekt will mit dem neu entwickelten Bildungs- und Lernangebot die Teilnehmer*innen der Kurse in ihrer Rolle als wichtige Multiplikatoren im kommunalen Klimaschutz und für den Wandel unserer Gesellschaft stärken, sie vernetzen und damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Pariser Klimaschutz-Vereinbarung in der Bundesrepublik Deutschland leisten. Darüber hinaus will das Projekt

·         gezielt regionale Aspekte des globalen Klimawandels in den Fokus von regionalen Bildungs- und Lernangeboten stellen,

·         eine breitenwirksame, nachhaltige Verankerung der Themen Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung bei Multiplikatoren befördern,

·         gezielt verschiedene Akteurs- und Wissensebenen sowie unterschiedliche Expertisen miteinander verknüpfen

·         die gesamte Wissenskette zum Thema "Klimawandel" von der globalen bis zur lokalen Ebene zusammenführen,

·         eine nachhaltige Grundlage für eine an die spezifischen Bedürfnisse angepasste Wissensvermittlung schaffen, 

·         einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Entscheidungs-, Partizipations-, Handlungs- und Gestaltungskompetenz in wichtigen Fragen zum Klimaschutz und Klimaanpassung leisten.

Zielgruppe

Die im Rahmen dieses Projektes entwickelten regionalspezifischen Kurse an Volkshochschulen richten sich an eine breite Gruppe von Akteuren:

·         Entscheidungsträger – z.B. ehrenamtliche Gemeinde-/Stadt-/Kreisräte. Sie haben eine besondere Verantwortung bei der klimafreundlichen Gestaltung ihrer Städte und Gemeinden. Um schwierige Entscheidung auch in Fragen der Klimaanpassung besser treffen zu können, bieten die neu entwickelten Kurse viele Grundlagen.

·         Gestalter – z.B. Städteplaner, Architekten, Energieberater, Heizungsbauer, Handwerker, Grünflächenplaner – arbeiten in Berufsbildern, welche die klimaneutrale Zukunft unserer Städte und Gemeinden mitgestalten.

·         Betroffene – z.B. Wasser- und Energiewirtschaftler, Landwirte und Förster, Menschen im Gesundheitswesen, Versicherungsmakler etc.). Es gibt immer mehr Berufszweige, die von den Folgen der Klimaauswirkung bereits heute betroffen sind. In dem Kurs kann gelernt werden, das Risiko abzuschätzen, um die richtigen zukunftssicheren (Investitions-) Entscheidungen treffen zu können.

·         Aktive – z.B. Mitglieder in Klimaschutzvereinen, Umwelt- und Naturschutzverbände, Heimatschützer, Vorstände Bürgerenergiegenossenschaften, Ehrenamtliche im Zivil- und Katastrophenschutz.

·         Interessierte Bürger*innen aus den unterschiedlichsten Richtungen.

Kursinhalt

Im Rahmen des Projektes werden für drei nationale Schlüsselregionen regional angepasste Kursmodule entwickelt, die an fünf Veranstaltungsterminen an Volkshochschulen in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern durchgeführt werden. In den Kursen werden die Grundlagen des globalen und vor allen Dingen die regionale Ausprägungen des Klimawandels und seiner Folgen dialogisch vermittelt. Der Kurs zeigt darüber hinaus Möglichkeiten von regionalen Klimaanpassungsmaßnahmen auf, die für die Zukunft im direkten Umfeld der Teilnehmenden erforderlich sind. Weiterhin werden konkrete Anregungen vorgestellt und diskutiert, wie man selbst für den Klimaschutz aktiv werden und sich vernetzen kann.

Die Kursmodule im „Blended Learning“-Format werden viele interaktive Elemente enthalten, wie z.B. Quiz, ergänzende Lernvideos der führenden deutschen Klimaforscher*innen erstellt vom World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Deutschem Klima Konsortium (DKK) sowie Dokumentarfilme zum Thema regionaler Klimawandel vom Forschungsverbund REKLIM. Einen weiteren wichtigen Aspekt bilden die Beiträge, Live-Chats und Präsenzveranstaltungen mit Wissenschaftler*innen des Helmholtz-Forschungsverbundes regionale Klimaänderungen REKLIM und weiteren regionalen Klimawissenschaftler*innen, die die globale Perspektive auf die regionale Ebene übertragen.

Impressionen von der Vorstudie des Projektes in der VHS der Kreisstadt Emmendingen im Wintersemester 2015/2016
Foto: fesa e.V./ifpro